Was ist dir in einer Ergotherapie Praxis am wichtigsten?
Mir ist es wichtig, jedem Klienten einen Raum zu bieten, in dem er sich intuitiv sicher fühlt, sich öffnen kann und an die eigene Entwicklung anknüpfen darf. Dabei spielen für mich vielfältige Materialien zur Selbsterfahrung ebenso eine zentrale Rolle wie ein wertschätzendes, angenehmes Raum- und Teamklima.
Was würdest du gern verbessern in der Ergotherapie?
Ich erinnere mich noch gut an einen meiner ersten Tage in der Ausbildung. Unsere Schulleitung betrat den Raum und fragte, ob jemand erklären könne, was Ergotherapie eigentlich ist. Es folgten ratlose Blicke und vage Vermutungen – denn jeder von uns kannte einzelne Facetten der Ergotherapie, doch wie diese zusammenpassten, war gar nicht so leicht zu greifen.
Gemeinsam haben wir mit 25 Personen schließlich eine Erklärung gefunden. Wirklich kurz und präzise wurde sie jedoch erst später, als wir dafür sogar ein eigenes Unterrichtsfach hatten. Die Kurzfassung lautet bis heute: Ergotherapie unterstützt Menschen dabei, ihren Alltag möglichst selbstständig bewältigen zu können.
Diese Erfahrung zeigt für mich, wie vielschichtig und schwer fassbar Ergotherapie ist. Genau das schätze ich an diesem Beruf – und sehe darin zugleich eine Herausforderung. Denn die große Bandbreite führt auch dazu, dass viele Menschen gar nicht wissen, wie Ergotherapie sie konkret abholen und unterstützen könnte. Oft nehmen sie dieses Angebot deshalb gar nicht erst wahr.
Besonders im psychiatrischen Bereich ist das sehr bedauerlich. Therapieplätze sind knapp, Wartelisten lang und der Bedarf an Unterstützung groß – gerade dort, wo Hilfe dringend benötigt wird.