Diagnose

Ergotherapie bei Suchterkrankungen (psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen)

Nach der Entgiftung verändert sich bei Menschen mit Suchterkrankungen häufig der gewohnte Alltag. Bei dessen Neustrukturierung unterstützt Ergotherapie.

Suchterkrankungen entstehen durch den wiederholten Konsum psychotroper Substanzen wie Alkohol, Medikamente, Cannabis oder Stimulanzien und reichen vom schädlichen Gebrauch bis zur Abhängigkeit. Kennzeichnend sind starkes Verlangen, Kontrollverlust und ein Konsum, der trotz erkennbarer Folgen weitergeht. Mit der Zeit ordnet sich der Tagesablauf zunehmend der Substanz unter.

Wenn der Konsum wegfällt, entsteht eine Lücke im Tag, die gefüllt werden will. Die Ergotherapie begleitet dabei, diese Zeit mit verlässlichen Betätigungen zu füllen und Risikosituationen früh zu erkennen.

Was ansteht, hängt von der Substanz, der Konsumdauer und der Phase der Behandlung ab. Häufige Schwerpunkte:

  • Tagesstruktur ohne Konsum aufbauen und halten
  • Risikosituationen erkennen und Handlungspläne festlegen
  • Selbstversorgung, Wohnen und Finanzen ordnen
  • Kontakte außerhalb des Konsumumfelds aufbauen
  • Berufliche Wiedereingliederung vorbereiten
Therapieraum mit höhenverstellbarem Schreibtisch, orangem Hocker und Pflanze in einer Vacura-Praxis

Ein großer Teil der Arbeit besteht darin, den Tag mit verlässlichen Ankern zu versehen, von der Morgenroutine bis zum Abend. Anhand konkreter Situationen werden Auslöser identifiziert und Alternativen erprobt, die tatsächlich erreichbar sind. Handwerkliche Projekte über mehrere Termine bauen dabei Durchhaltevermögen und Erfolgserleben wieder auf.

Behandelt wird psychisch-funktionell, ein- bis zweimal wöchentlich über jeweils rund 60 Minuten. Eine Gruppe wäre hier besonders wertvoll, weil geteilte Erfahrungen entlasten und Verbindlichkeit fördern.

Grundlage ist eine ärztliche Heilmittelverordnung über eine psychisch-funktionelle Behandlung von Hausärzt:innen, Psychiater:innen oder psychologischen Psychotherapeut:innen. Bei Suchterkrankungen ist auch die Blankoverordnung möglich, bei der nur die Diagnosegruppe verordnet wird und wir den Verlauf gestalten. Häufig schließt die Behandlung an einen Entzug oder eine Reha an.

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